Latinitas

puritas

Leitmotiv

(n.), a) in der Musik wiederkehrende, eingängige Tonfolge, die zur Charakteristik von Figuren, Situationen oder Stimmungen dient, v.a. bei K. M. von Weber und R. Wagner; analog dazu b) in der Literatur eine einprägsame, wörtl. oder ähnl. wiederkehrende Aussage, die einer Figur, Situation, Stimmung, Idee, einem Gegenstand oder Sachverhalt zugeordnet ist und Vorausdeutungen oder Rückverweise herstellt, die den Text gliedern (Th. Manns Zauberberg: Halskrause des Großvaters, Bleistift); oft auch nur syntaktisch-stilistische Züge (Zauberberg: Peeperkorns elliptische Redeweise).

Manierismus

(m.), gesamteuropäischer, ursprünglich aus der bildenden Kunst stammender Stilbegriff für die Übergangsphase von der Renaissance zum Barock (1530-1630), gekennzeichnet durch Experimente mit formalen Extremen. Im literaturhistorischen Sinn Bezeichnung für einen selbstzweckhaften, nachdrücklich artifiziellen Stil unter Verwendung zahlreicher Tropen, Metaphern und Concetti. Berühmte literarische Vertreter waren in Spanien Luis de Gongora (Gongorismus), in Italien Giambattista Marino (Marinismus), in Deutschland v. a. Harssdörffer und die schlesische Dichterschule (Lohenstein, Hofmannswaldau).

 

memoria

Begriff aus der Rhetorik, der einen Teil der Aufgaben eines Redners bei der Konzeption seiner Rede bezeichnet: das Auswendiglernen (Technik des Auswendiglernens: Mnemotechnik)

narratio

Begriff aus der Rhetorik, der einen Teil einer Rede bezeichnet: eine kurze Darlegung des Themas/Sachverhalts

 

 

ornatus

Prinzip der antiken Stil-Lehre: sprachliche und stilistische Formgebung (einschließlich Schmuck und Gestaltung wie Tropen und rhetorische Figuren

 

Oxymoron

Verbindung zweier antithetischer Wörter (Wortgruppen); bei logischem Widerspruch zwischen Substantiv und Adjektiv spricht man auch von contradictio in adjecto »traurigfroh« (Hölderlin, Heidelberg); contradictio in adjecto: »schwarze Milch der Frühe« (Celan, Todesfuge)

Parallelismus

syntaktischer oder gedanklicher Gleichlauf von Wortgruppen »Sobald ich dann das Unglaubliche sehe – werde ich ein Zeuge. Sobald ich dann die Kirche betrete –
werde ich ein Laie.« (Handke, Veränderungen im Lauf des Tages)

Parenthese

(f.): ›Einschub‹, rhetorische Figur; Unterbrechung eines Satzes durch den Einschub eines grammatikalisch vollständigen und selbstständigen weiteren Satzes in Gedankenstrichen oder Klammern, z.B.: Eduard – so nennen wir einen reichen Baron im besten Mannesalter – Eduard hatte in seiner Baumschule die schönste Stunde eines Aprilnachmittags zugebracht, um frisch erhaltene Propfreiser auf junge Stämme zu bringen. (Goethe, Die Wahlverwandtschaften).

Paronomasie

(f.): rhetorische Figur; Wortspiel durch a) die (widersprüchliche) Verbindung von Wörtern desselben Stammes (vgl. Figura etymologica und Polyptoton) oder b) die Verbindung ähnlich klingender Wörter, z.B. Der Rheinstrom ist worden zu einem Peinstrom, die Klöster sind ausgenommene Nester, die Bistümer sind verwandelt in Wüsttümer […] (Schiller, Wallensteins Lager).