Ballade

strophisch gegliedertes Erzähllied (ggf. mit dramatischer Rede) in dessen Mittelpunkt eine konflikthafte Begebenheit steht; man unterscheidet zwischen Volks-
und Kunstballade; in der dt. Dichtung wird die Ballade mit Bürgers Lenore (1773) populär; die Zuordnung der Ballade zur Lyrik ist umstritten (Erzähllied vs. liedförmige Erzählung)

Binnenreim

(m.), Reim innerhalb eines Verses, Bsp.: Es lispeln und wispeln die schlüpfrigen Brunnen / […] / Sie schauren, betrauren und fürchten bereit (Johann Klaj: Landschaft). Vgl. auch EndreimAnfangsreim.

Blankvers

ungereimter 5-hebiger Jambus, der im 18. Jh. aus der englischen (Shakespeare) durch Übersetzungen in die dt. Dichtung übernommen wurde; seit Wielands Lady Johanna Gray (1758) und Lessings Nathan der Weise (1779) der gebräuchlichste Vers des dt. Dramas im 18. und 19. Jh.
Beispiel:
Er ist es! Nathan! – Gott sei ewig Dank,
Daß Ihr doch endlich einmal wiederkommt.
(Lessing, Nathan der Weise)

Chorlied

(n.), a) im antiken Griechenland weitverbreitete lyrische Dichtung für den Gesangsvortrag eines Chores; viele gr. Chorlieder sind triadisch in Strophe/Ode, Antistrophe/Antode und Epode eingeteilt (vgl. Pindarische Ode); b) konstitutives Element der antiken Tragödie, die sich aus Chorwettbewerben anlässlich der Dionysien und den dort vorgetragenen Dithyramben durch Einführung einer Wechselrede zwischen Chor und Chorführer sowie der Schauspieler entwickelte. Formen: Parodos (Einzugslied), Stasimon (Standlied), Exodos (Auszugslied), Ggs.: Monodie; c) allgemein jede für den Gesangsvortrag eines Chores als Vielzahl von Stimmen bestimmte lyrische Dichtung (Ggs.: Monodie).

Completio

oder Complexio (f.): s. Symploke.

Daktylus

(m., Pl. Daktylen), antiker Versfuß aus einer langen und zwei kurzen Silben (úuu), in der akzentuierenden Metrik der dt. Sprache aus einer betonten und zwei unbetonten Silben (úuu), z.B. feíerlich (Ggs.: Anapäst). In der Antike v.a. im Hexameter und Pentameter gebräuchlich (vgl. auch Distichon); in mittelhochdeutscher Lyrik häufig, im Barock von Buchner und Zesen als Nachahmung antiker Formen verwendet, dann wieder in Sturm und Drang und Klassik beliebt (Goethe, Schiller, Hölderlin). Vgl. auch Amphibrachys.

delectare

aut prodesse volunt aut delectare poetae

 

Dimeter

(m.), Doppelmaß, in der antiken Metrik Vers aus zwei metrischen Einheiten. Da in der gr. Metrik die Dipodie schon je zwei Versfüße zu einer Einheit zusammenfasst, hat ein jambischer Dimeter vier Längen (úuúu/úuúu) bzw. Hebungen, Bsp.: Das Wásser raúscht’, das Wásser schwóll (Goethe: Der Fischer).

Dipodie

(f.), Doppelfüßigkeit, in der antiken Metrik metrische Einheit aus zwei gleichen Versfüßen, v.a. beim Jambus und Trochäus, auch beim Anapäst. Für den Daktylus gilt meist die Monopodie.

Distichon

(n.), Plural: Distichen; griech. ›dis‹ = ›doppelt‹ und ›stichos‹ = ›Vers‹; Strophe aus zwei verschiedenen Verstypen; meistens: aus einem Hexameter und einem Pentameter bestehendes Verspaar (Beispiel: Im Hexameter steigt des Springquells flüssige Säule, / Im Pentameter drauf fällt sie melodisch herab (Schiller); meistens in Epigrammen und Elegien vorkommend (elegisches Distichon).