ab ovo

lat. ›vom Ei an‹; neben dem Erzählen medias in res eine seit der Antike praktizierte Form des Romanbeginns: Erzählen vom Ursprung der Handlung an (als ›natürliche‹ Erzählstrategie prädestiniert für den ›niederen‹ Roman)

actio

Begriff aus der Rhetorik, der einen Teil der Aufgaben eines Redners bei der Konzeption seiner Rede bezeichnet: die ›Aufführung‹ (lat. ›actor‹: ›Schauspieler‹, ›Darsteller‹) bzw. das Vortragen der Rede; anderer Begriff: ›pronuntiatio‹

aemulatio

(f.), wetteiferndes Nachahmen mit dem Ziel der Überbietung des Vorbilds, eines der Grundprinzipien speziell der deutschen Barock-Dichtung. Vgl. auch imitatio/Imitation

akatalektisch

in der antiken Metrik Bezeichnung für einen Vers mit vollständigem letztem Versfuß, vgl. dagegen katalektisch und hyperkatalektisch, auch Kadenz.

Alexandriner

mit Martin Opitz wird der Alexandriner in der dt. Dichtung seit dem 17. Jh. als gereimter 6-hebiger Jambus mit Binnenzäsur nach der 3. Hebung verstanden; im 17. Jh. ist der Alexandriner der maßgebliche Vers für die Lyrik (Sonett) wie auch für die Dramendichtung.
Beispiel:
Was itzund Atem holt, muß mit der Luft entfliehn,
Was nach uns kommen wird, wird uns ins Grab nachziehn.
(Gryphius, Menschliches Elende)

Alexandriner

sechshebiger jambischer Reimvers, meist Zäsur nach der 3. Hebung; typisches Versmaß des Barock

Allegorese

(f.), allegorische Auslegung eines Textes, die hinter dem Wortsinn (sensus litteraris) eine tiefere (philosophische, theologische, moralische, ethische etc.) Bedeutung aufzeigt (sensus spiritualis). Schon die antiken Stoiker erprobten die Allegorese an Homer, mit Philon von Alexandria wurde das Alte Testament der Allegorese unterzogen, im Mittelalter führte sie zur christlich fundierten Lehre vom mehrfachen Schriftsinn. Bsp.: Die Allegorese des Hohenliedes des Alten Testaments liest die Braut als Personifikation Israels bzw. der Kirche, den Bräutigam als Gott bzw. Christus. Vgl. auch Exegese.

Allegorie

(f.), bildhafte Darstellung eines abstrakten Begriffes in Kunst und Literatur, oft als Personifikation (Amor, Justitia, Fortuna). Kennzeichen der Allegorie ist, im Gegensatz zum Symbol, eine willkürlich gesetzte Beziehung zwischen dem Begriff und dem Bild, die der rationalen Auslegung bedarf (vgl. Allegorese, Exegese, Emblem), wobei die Allegorie immer aus mehreren Attributen addiert wird und dementsprechend ›gelesen‹ werden kann: die Idee der ›Gerechtigkeit‹ (Justitia) setzt sich zusammen aus dem ›Urteil‹ über Gut und Böse (-> Waage) ohne ›Ansehung‹ der Person (-> Augenbinde) und ›Macht‹ zu strafen (-> Schwert).

Alliteration

(f.), gleicher Anlaut aufeinander folgender Wörter. Vgl. auch Stabreim sowie Anapher.

Amphibrachys

(m., Pl. Amphibrachen), antiker Versfuß aus zwei Kürzen um eine Länge (uúu), in der akzentuierenden Metrik der dt. Sprache zwei unbetonte um eine betonte Silbe (uúu), z.B. Sie nahen, sie kommen, die Himmlischen alle (Schiller). Deutsche Verse mit regelmäßiger zweisilbiger Senkung (Anapäst, Daktylus) werden leicht als Amphibrachen wahrgenommen (mit zusätzlicher bzw. fehlender Silbe am Anfang und einem katalektischen bzw. hyperkatalektischen Ende), vgl. den Vers: So umhaúch / test du mích / mit beraú / schendem Wáhn (anapästische Lesung) – So / umhaúchtest / du mích mit / beraúschen / dem Wáhn (amphibrachische Lesung) (A. W. Schlegel, Ion).