Allegorese

(f.), allegorische Auslegung eines Textes, die hinter dem Wortsinn (sensus litteraris) eine tiefere (philosophische, theologische, moralische, ethische etc.) Bedeutung aufzeigt (sensus spiritualis). Schon die antiken Stoiker erprobten die Allegorese an Homer, mit Philon von Alexandria wurde das Alte Testament der Allegorese unterzogen, im Mittelalter führte sie zur christlich fundierten Lehre vom mehrfachen Schriftsinn. Bsp.: Die Allegorese des Hohenliedes des Alten Testaments liest die Braut als Personifikation Israels bzw. der Kirche, den Bräutigam als Gott bzw. Christus. Vgl. auch Exegese.

Allegorie

(f.), bildhafte Darstellung eines abstrakten Begriffes in Kunst und Literatur, oft als Personifikation (Amor, Justitia, Fortuna). Kennzeichen der Allegorie ist, im Gegensatz zum Symbol, eine willkürlich gesetzte Beziehung zwischen dem Begriff und dem Bild, die der rationalen Auslegung bedarf (vgl. Allegorese, Exegese, Emblem), wobei die Allegorie immer aus mehreren Attributen addiert wird und dementsprechend ›gelesen‹ werden kann: die Idee der ›Gerechtigkeit‹ (Justitia) setzt sich zusammen aus dem ›Urteil‹ über Gut und Böse (-> Waage) ohne ›Ansehung‹ der Person (-> Augenbinde) und ›Macht‹ zu strafen (-> Schwert).

Antonomasie

eine Trope: Umschreibung eines Namens; z.B.: ›der Kaiser‹ statt ›Franz Beckenbauer‹

 

Emblem

(n., Pl. Emblemata), dreiteiliges, aus Bild und Text bestehendes Sinnbild, weit verbreitet in der europ. Kunst vom 16.-18. Jh, bestehend aus 1. der Inscriptio (auch: Lemma, Motto), d. h. einer kurzen, meist lat. oder gr. Überschrift, 2. der Pictura (auch: Imago, Icon), d. h. einem Bild als Holzschnitt oder Kupferstich und 3. der Subscriptio, einem meist als Epigramm gehaltenen, den im Bild allegorisch-verschlüsselt dargestellten Sinn des Emblems erläuternden Text. Die Emblematik war für die Gestaltungstechniken barocker Schauspiele oder Romane prägend.

Emblematik

(f.), a) Emblemkunst, b) Lehre und Wissenschaft von den Emblemen, Teil der Toposforschung.

Euphemismus

(m.): rhetorisches Stilmittel, Trope; beschönigende Umschreibung, z.B. das Zeitliche segnen oder entschlafen für sterben.

 

Hyperbel

Übertreibung zur Darstellung des Außerordentlichen, oft unglaubwürdig oder gar unmöglich, nicht selten auch humoristisch »ein Schneidergesell, so dünn, daß die Sterne durchschimmern konnten« (Heine, Harzreise)

Hyperoche

Spezialfall der Hyperbel: Übersteigerung einer Person oder eines Gegenstandes ins Unvergleichliche und Einmalige, z.B. das Beste vom Besten.

 

Litotes

Milderung der Aussage durch Verneinung des Gegenteils »Er hielt sie fest und drückte sie an sich. Erst auf einem Rasenabhang ließ er sie nieder, nicht ohne
Bewegung und Verwirrung.« (Goethe, Wahlverwandtschaften)

Metapher

das eigentlich Gemeinte wird durch ein Anderes, aus einem anderen Vorstellungsbereich, ersetzt, das eine sachliche oder gedankliche Ähnlichkeit besitzt, das
sogenannte tertium comparationis; diverse Versuche zur Klassifizierung von Metaphern sind unternommen worden (absolute M., verblaßte M., kühne M. etc.)
›Flußarm‹; ›Wüstenschiff‹ für Kamel; ›Fuchs‹ für listiger Mensch