aemulatio

(f.), wetteiferndes Nachahmen mit dem Ziel der Überbietung des Vorbilds, eines der Grundprinzipien speziell der deutschen Barock-Dichtung. Vgl. auch imitatio/Imitation

akatalektisch

in der antiken Metrik Bezeichnung für einen Vers mit vollständigem letztem Versfuß, vgl. dagegen katalektisch und hyperkatalektisch, auch Kadenz.

Alexandriner

mit Martin Opitz wird der Alexandriner in der dt. Dichtung seit dem 17. Jh. als gereimter 6-hebiger Jambus mit Binnenzäsur nach der 3. Hebung verstanden; im 17. Jh. ist der Alexandriner der maßgebliche Vers für die Lyrik (Sonett) wie auch für die Dramendichtung.
Beispiel:
Was itzund Atem holt, muß mit der Luft entfliehn,
Was nach uns kommen wird, wird uns ins Grab nachziehn.
(Gryphius, Menschliches Elende)

Alliteration

(f.), gleicher Anlaut aufeinander folgender Wörter. Vgl. auch Stabreim sowie Anapher.

Amphibrachys

(m., Pl. Amphibrachen), antiker Versfuß aus zwei Kürzen um eine Länge (uúu), in der akzentuierenden Metrik der dt. Sprache zwei unbetonte um eine betonte Silbe (uúu), z.B. Sie nahen, sie kommen, die Himmlischen alle (Schiller). Deutsche Verse mit regelmäßiger zweisilbiger Senkung (Anapäst, Daktylus) werden leicht als Amphibrachen wahrgenommen (mit zusätzlicher bzw. fehlender Silbe am Anfang und einem katalektischen bzw. hyperkatalektischen Ende), vgl. den Vers: So umhaúch / test du mích / mit beraú / schendem Wáhn (anapästische Lesung) – So / umhaúchtest / du mích mit / beraúschen / dem Wáhn (amphibrachische Lesung) (A. W. Schlegel, Ion).

Anapäst

(m.), antiker Versfuß aus zwei kurzen und einer langen Silbe (uuú), in der akzentuierenden Metrik der dt. Sprache aus zwei unbetonten und einer betonten Silbe (uuú), z.B. nebenbeí (Ggs.: Daktylus). Im antiken Drama oft in Parodos oder Exodus verwendet, in dt. Dichtung seit der Romantik, jedoch selten verwendet (A.W. Schlegels Ion 1803, Goethes Pandora 1808/1810), teilweise auch mit ein- oder dreisilbiger Senkung. Durch Umlagerung werden Anapäste oft daktylisch empfunden, vgl. auch Amphibrachys.

Anapher

Wiederholung eines Wortes (einer Wortgruppe) am Anfang aufeinanderfolgender Sätze, Verse oder Strophen »Meinen Sie Zürich zum Beispiel, / […] / Meinen
Sie, aus Habana« (Benn, Reisen)

Anfangsreim

(m.), Reim am Anfang zweier oder mehrere Verse, Bsp.: Krieg! ist das Losungswort. / Sieg! und so klingt es fort. (Goethe: Helena-Akt in Faust II). Vgl. auch Endreim, Binnenreim.

 

 

Auftakt

(m.), eine oder mehrere unbetonte Silbe(n) am Versanfang vor der ersten Hebung. Vgl. Vers, Metrum, Versfuß.

 

aut prodesse volunt aut delectare poetae

lat. »die Dichter wollen entweder nützen oder unterhalten«; bezeichnet nach Horaz (De arte poetica) die Wirkung von Dichtung, die sich auf das ästhetische Vergnügen (delectare) und den gesellschaftlichen Nutzen (prodesse) richtet