Ballade

strophisch gegliedertes Erzähllied (ggf. mit dramatischer Rede) in dessen Mittelpunkt eine konflikthafte Begebenheit steht; man unterscheidet zwischen Volks-
und Kunstballade; in der dt. Dichtung wird die Ballade mit Bürgers Lenore (1773) populär; die Zuordnung der Ballade zur Lyrik ist umstritten (Erzähllied vs. liedförmige Erzählung)

Chorlied

(n.), a) im antiken Griechenland weitverbreitete lyrische Dichtung für den Gesangsvortrag eines Chores; viele gr. Chorlieder sind triadisch in Strophe/Ode, Antistrophe/Antode und Epode eingeteilt (vgl. Pindarische Ode); b) konstitutives Element der antiken Tragödie, die sich aus Chorwettbewerben anlässlich der Dionysien und den dort vorgetragenen Dithyramben durch Einführung einer Wechselrede zwischen Chor und Chorführer sowie der Schauspieler entwickelte. Formen: Parodos (Einzugslied), Stasimon (Standlied), Exodos (Auszugslied), Ggs.: Monodie; c) allgemein jede für den Gesangsvortrag eines Chores als Vielzahl von Stimmen bestimmte lyrische Dichtung (Ggs.: Monodie).

Elegie

wird definiert (1) formal als ein in elegischen Distichen gefasstes, nicht-epigrammatisches Gedicht (Epigramm); das ›elegische Distichon‹ bezeichnet die Abfolge von Hexameter und Pentameter; bspw.: »Im Hexameter zieht der ästhetische Dudelsack Wind ein; / Im Pentameter drauf läßt er ihn wieder heraus« (Claudius); die Elegie in elegischen Distichen hat sich durch die Bemühungen Klopstocks seit Mitte des 18. Jh.s durchgesetzt; (2) inhaltlich als ›threnetische Elegie‹, Gegenstände der Klage thematisierend, oder als ›erotische Elegie‹, Gegenstände der Liebe thematisierend

Epigramm

als (gr.) ›Aufschrift‹ (in Versrede) bereits in der Antike auf Grabmälern und auch Gefäßen, Waffen etc. zu finden; die Zweigliedrigkeit des Epigramms, speziell im
elegischen Distichon (Elegie), bietet die Möglichkeit einer antithetischen Strukturierung; die Pointiertheit und Kürze des Epigramms lässt es zu einer bevorzugten Gattung satirischer Dichtung werden (Xenien)

Epos

griech. ›Wort‹, ›Erzählung‹; narrative Großform in Versen

 

Gedichtformen

neben den unten genannten sind in der dt. Dichtung etwa Hymne, Ghasel, Rondeau geläufige Gedichtformen; bei der Ode, Terzine, Sestine und Stanze entspricht die Gedichtform der Strophenform (etwa: eine Sestine ist ein Gedicht aus Sestinen; ein Gedicht in horazischen Odenstrophen ist eine Ode)

Hymne

(f., auch gr. Hymnos, lat. Hymnus, m.), feierlicher Lob- und Preisgesang zu Ehren eines Helden oder Gottes, meist religiös motiviert. In der gr. Antike Einzel-, Wechselgesang oder Chorlied mit einem meist dreiteiligen Aufbau in Anrufung des Gottes, Erzählung mythischer Ereignisse und Gebet; meist in Hexametern, vgl. auch Dithyrambus. Im Mittelalter Bezeichnung für einen strophisch gegliederten, lat. Lobgesang Gottes im Umkreis der christlichen Liturgie; im Barock noch strophisch gegliedert als Preisgesang auf Gott, Helden, Fürsten, abstrakte Begriffe und Tugenden; in Empfindsamkeit und Sturm und Drang v.a. durch die Hymnendichtung Klopstocks und des Göttinger Hains bedeutsame lyrische Gattung zum Ausdruck von Ergriffenheit und Erhabenheit, hier nicht mehr eindeutig von der Ode zu trennen.

Lesedrama

Dramentexte sind i.d.R. für die Realisierung auf einer Bühne konzipiert. Eine Reihe von Dramen ist schwer aufführbar bzw. gar nicht für eine Aufführung  konzipiert; z.B. Tieck: Der gestiefelte Kater (publiziert 1797, erst 1844 uraufgeführt), Kraus: Die letzten Tage der Menschheit (1922, über 700 S.)

Lied

i. e. S. ein Gedicht nach dem Muster sangbarer Texte in metrisch gleich gebauten Strophen, die einem festen Reimschema folgen (insb. Volks- und Kirchenlieder)

Novelle

ital. ›novella‹ = ›Neuigkeit‹ (Geschichte, die man unbedingt weitererzählen will, etwas Interessantes); epische Form, die nach Goethe »eine sich ereignete unerhörte Begebenheit« zum Gegenstand hat; nach Paul Heyse ist die Novelle eine Erzählform, die einen elementaren Kern (einen ›Falken‹) enthält, um den sich die Handlung dreht