Anagnorisis

gr. Wiedererkennen; (Wieder)Erkennen einer Figur oder eines Sachverhalts durch eine andere Figur, das die Handlung positiv (Komödie) oder negativ (Tragödie) beeinflusst; Lessing: Nathan der Weise (1779)

analytisches Drama

die Katastrophe bzw. das entscheidende Ereignis hat sich zu (oder vor) Beginn der dargestellten Handlung ereignet; z.B. Sophokles: König Ödipus (5. Jh. v.  Chr.), Kleist: Der zerbrochene Krug (1806)
analytisches vs. synthetisches Drama: Gegensatz, der sich auf den Zeitpunkt der Katastrophe bezieht

bewegendes Moment

Steigerung der Handlung, Andeutung von Konflikten, nach Freytag: 2. Akt

bienséance

frz. ›Wohlanständigkeit‹; Begriff der doctrine classique; Verpflichtung des Dramas auf ›Wohlanständigkeit‹: auf der Bühne darf nur gezeigt werden, was den ›guten Sitten‹ der aristokratischen Gesellschaft konform ist – das gilt sowohl für generelle Normen wie die Ständeklausel (Tragödien müssen an Fürstenhöfen angesiedelt sein; der sozial niedere Stand bildet das Personal von Komödien) als auch für Detail-Probleme der Sittlichkeit (klassische Dämpfung); vgl. auch die antiken Prinzipien des aptum und des decorum

Botenbericht

Figurenschilderung einer nicht dargestellten vergangenen Handlung

Bürgerliches Trauerspiel

Form der Tragödie seit der Mitte des 18. Jh. (bis zur Mitte des 19. Jh.) ohne Geltung der Ständeklausel bei Thematisierung privater, familiärer Probleme; z.B. Lessing: Miß Sara Sampson (1755)

deus ex machina

lat. Gott aus der Maschine; unmotivierter Eingriff einer bisher nicht am Geschehen beteiligten Figur in die Handlung mit entscheidenden Konsequenzen

doctrine classique

rational begründetes Regelsystem des französischen Klassizismus; maßgeblich für das Dramenwerk Corneilles, in Deutschland für Gottsched und Johann Elias Schlegel; Leitbegriffe:vraisemblance, bienséance

Drama

(Schauspiel) allg. Gattungsbezeichnung für i.d.R. zur Aufführung bestimmte Texte ohne vermittelnde Erzählinstanz (im Gegensatz zum Roman).

Einheit der Handlung

Forderung nach einer kohärenten Haupthandlung (Anfang, Mitte, Ende) bei gleichzeitigem Verzicht auf Nebenhandlungen